Gedenken an Opfer des Völkermordes in Halabje

2021-03-16 - Berlin -Gedenken an Halabadje

Am 16. März 1988 wurde die Stadt Halabje von den Streitkräften des Irak mit Giftgas bombadiert. Diesen Angriff fielen ca. 3500 bis 5000 Menschen zum Opfer. Und mehr als 10.000 Menschen wurden verletzt. Bis heute ist der Boden und das Grundwasser in dieser Region vergiftet. In Gedenken an dieses Massaker versammelten sich auf dem Breitscheidplatz in Berlin die Vertreter unterschiedlicher kurdischer Organisationen und Parteien.

Geschichte des Massaker von Halabje

Der Angriff bildete den Auftakt zu einer Offensive gegen das kurdische Volk bei dem hunderte von kurdischen Dörfer und Weilern angegriffen und zum Teil zerstört wurden. Es handelt sich nicht um die erste Offensive und es war auch nicht die letzte Offensive gegen das kurdische Volk. Entsprechende Angriffe auf das kurdische Volk gibt es bis heute, auch wenn die Machthaber wechselten. Verurteilungen dieser Angriffe sind selten, denn zu oft werden Angriffe und Grausamkeiten auf die Kurden durch Freunde und Verbündete der USA begangen.

Halabdscha galt als wichtiges Zentrum des kurdischen Widerstands in den Autonomiebestrebungen gegen die Zentralregierung in Bagdad. Am 14. Mai 1987 kam es in Halabdscha zu Anti-Regierungs-Demonstrationen. Ali Hasan al-Madschid, damals Kommandeur für die nördlichen Regionen des Irak, ließ anschließend Zivilisten hinrichten, die bei den Demonstrationen verletzt wurden, und ordnete an, dass ihre Häuser mit Panzern und Bulldozern eingerissen werden sollten. Ferner gab es zahlreiche Verhaftungen, und mehr als 100 Personen „verschwanden“.[5]

Seit April 1987 führte die irakische Luftwaffe Giftgasangriffe gegen Dörfer im kurdischen Bergland durch. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) informierte die deutschsprachigen Medien kontinuierlich darüber und berichtete schon vor dem Angriff auf Halabdscha insgesamt 87 Giftgasangriffe auf kurdische Dörfer.[4]

Am 15. März 1988 eroberten kurdische Rebellen der Patriotischen Union Kurdistans zusammen mit regulären Einheiten der iranischen Armee in der Operation Morgenröte 10 (Valfajr 10) die irakische Stadt Halabdscha, die damals 70.000 Einwohner hatte.[6]

Dem Angriff auf Halabdje fielen fast ausnahmslos Zivilisten zum Opfer, davon waren nach Schätzungen ca. 75% Frauen und Kinder. Bis heute sind die Folgen des Giftgasmassakers zu sehen. Kurze Zeit nach dem Giftgasmassaker kam es zu einen Anstieg der Krebserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen. Viele Überlebende des Massakers starben in den nächsten Jahren qualvoll an schweren Krankheiten, welche auf das Giftgas zurückzuführen waren.

„Es war ein schöner Frühlingstag. Kurz vor 11 Uhr vormittags […] explodierten Artilleriegeschosse in Halabdscha, und Flugzeuge begannen Bomben auf die Stadt abzuwerfen, vor allem im Norden der Stadt. Wir rannten in unseren Keller. Um 2 Uhr nachmittags, als die Bombenabwürfe weniger wurden, ging ich vorsichtig vom Keller in die Küche und brachte meiner Familie etwas zu essen. Als die Bombardierung aufgehört hatte, […] hörte ich ein langes merkwürdiges Geräusch, das sich wie Bombenexplosionen anhörte. Ein Mann kam in unser Haus gerannt und rief: ‚Gas! Gas!‘ Wir rannten zu unserem Auto, stiegen ein und schlossen die Autofenster. Ich glaube, wir fuhren über die Leichen von unschuldigen Opfern. Ich sah Menschen auf dem Boden liegen, die eine grünliche Flüssigkeit erbrachen, während andere hysterisch wurden und laut zu lachen begannen, bevor sie reglos zu Boden fielen. Später nahm ich einen Geruch wahr, der mich an Äpfel erinnerte, und fiel in Ohnmacht. Als ich erwachte, lagen Hunderte von Leichen verstreut um mich herum. Danach nahm ich in einem Keller in der Nähe Zuflucht. Ein hässlicher Geruch war überall in dieser Gegend. Es roch zuerst nach verfaulendem Abfall, aber dann kam ein süßer Geruch ähnlich wie der Duft von Äpfeln. Dann roch es eher nach Eiern. […]

Wenn die Leute die Wörter ‚Gas‘ und ‚Gift‘ rufen und man hört, wie sich diese Rufe unter den Menschen ausbreiten, dann greift der Schrecken um sich, vor allem bei den Kindern und den Frauen. Deine Liebsten, deine Freunde, du siehst, wie sie gehen und dann wie Blätter zu Boden fallen. Es ist unbeschreiblich. Vögel fielen aus ihren Nestern. Dann andere Tiere, dann Menschen. Es war die totale Vernichtung. Wer gehen konnte, verließ die Stadt zu Fuß. Wer ein Auto hatte, fuhr damit fort. Aber wer zu viele Kinder hatte, um sie auf den Schultern zu tragen, blieb in der Stadt und fiel dem Gas zum Opfer.“

Schilderungen eines Überlebenden

Angriff auf Halabje (Video)

Langzeitfolgen des Giftgasmassakers

Nach 10 Jahren hatte sich die Zahl der Menschen mit Down-Syndrom verdoppelt und die Leukämierate verdreifacht. Eine noch stärkere Zunahme gab es bei Herzversagen und angeborenen Herzfehlern. Fehlgeburten traten mehr als 10fach häufiger auf als in einem benachbarten Gebiet, das nicht von dem Giftgasangriff betroffen war. Schäden an den Knochen führten zu körperlichen Behinderungen, manche Opfer konnten nicht mehr ohne Hilfsmittel gehen.[17] Kinder von Müttern, die dem Angriff ausgesetzt waren, litten verstärkt unter Schäden und Missbildungen an den Zähnen und im Mundgewebe[18].

Selbst heute 30 Jahre nach dem Giftgasangriff wird aus Halabdje berichtet, dass viele Opfer an Hautkrebs, Augenkrankheiten, Atemproblemen, Unfruchtbarkeit, Missbildungen, Nervenschäden und psychischen Problemen leiden.

Der damalige Machthaber des Irak Sadam Hussein galt als “Freund” der USA, welcher im Kampf gegen den Iran benötigt wurde. Erst 1990 nach einen Angriff auf Kuwait fiel er bei den USA in Ungnade, da das kuwaitische Königshaus zu den größten Gläubigern der USA gehörte. Dies ungeachtet der bereits in den 1980er bekannten Grausamkeiten und Verbrechen für die Sadam Hussein verantwortlich war.

Der vergleichbare Giftgasangriff auf Sardasht, eine iranische Stadt, der 9 Monate vor dem Angriff auf Halabdscha stattgefunden hatte, fand erst als Folge der Aufdeckung des Giftgasangriffs auf Halabdscha ein Medienecho. Weitere 40 Angriffe mit Giftgas auf kurdische Orte und Städte zwischen Februar und September 1988,[27] wie nördlich von Sulaimaniyya (29. Februar 1988) sowie nahe Sardasht und Marivan (22. März 1988, 31 Tote, 450 Verletzte) fanden geringeres mediales Echo.[21]

Zitate von Wikipedia übernommen – Giftgasangriff auf Halabdscha

Eine Verurteilung dieses Giftgasmassakers an den kurdischen Menschen durch den UN-Sicherheitsrat scheiterte am Veto der USA. Die USA selbst lieferte u.a. Satellitenbilder, welche in mehreren Fällen das irakische Militär beim Einsatz von Giftgas gegen den Iran unterstützte.

Schätzungen zufolge stammte ca. 60% der damaligen Giftgasproduktion aus Anlagen welche mit Hilfe von Unternehmen der BRD errichtet und betrieben wurden. Die dafür Verantwortlichen aus Deutschland, USA und anderen westlichen Staaten wurde bis heute nicht vor ein Gericht gestellt. Auch erfolgten bisher keine Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenden und die Opfer des Massakers. Bis heute erfolgte auch keine Verurteilung der Geschehnisse als Völkermord am kurdischen Volk, da dies die wichtigsten Verbündeten der USA vor den Kopf stoßen würde. Dies gilt insbesondere für die Türkei, welche bis heute mit aller Härte gegen kurdische Autonomiebestrebungen vorgeht.

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