Patente auf Saatgut bedrohen unsere Ernährung

Am 11. März 2021 versammelten sich eine Gruppe von Riesenbrokoli und Riesentomaten vor dem Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Doch die Bundespolizei in Überzahl (10 Bundespolizisten gegen 8 Riesengemüse) konnte die drohende Invasion durch genmanipuliertes Gemüse verhindern. Anlass der drohenden Invasion war die Übergabe des Berichtes von “Keine Patente auf Saatgut!” über Patentanträge auf konventionell gezüchtete Pflanzen. Fragen muss man sich jedoch, wer schützt uns Menschen vor genmanipulierten Lebensmitteln und Patenten auf Tiere und Pflanzen, die es einer handvoll Konzernen ermöglichen würden global die Lebensmittelversorgungung zu kontrollieren?!

In Europa sind Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere verboten. Eine entsprechende Regelung wurde 2020 von der Großen Beschwerdekammer, der höchsten rechtlichen Instanz des EPA, bestätigt. Doch bei der Umsetzung dieser Verbote gibt es erhebliche Probleme: Nach der gegenwärtigen Praxis werden auch Pflanzen mit zufälligen genetischen Veränderungen als patentierbare Erfindungen angesehen. Es gibt bereits zahlreiche Beispiele, die zeigen, wie rechtliche Schlupflöcher dazu genutzt wurden, um Patente auf Gerste und Bier, auf Melonen oder auch auf Salat aus konventioneller Züchtung zu erteilen.

„Jedes Jahr kommen rund 100 weitere Patentanträge auf konventionelle Züchtung hinzu. In Europa sind schon jetzt über tausend Sorten von entsprechenden Patenten betroffen. Werden diese Patente nicht gestoppt, kann das schwerwiegende Auswirkungen für Züchtung, Landwirtschaft und VerbraucherInnen haben. Die Patentinhaber können den Zugang zu den Pflanzen kontrollieren und behindern, der für die weitere Züchtung benötigt wird. Die Politik muss jetzt die Gefahr für die Zukunft unserer Ernährung abwenden“, sagt Christoph Then für Keine Patente auf Saatgut!.

Nach “Keine Patente auf Saatgut” bedeuten Patente auf Saatgut ein massives Risiko für die “globale Nahrungssicherheit und die regionale Ernährungssouveränität.” Denn sobald ein patent erteilt wurde dürfen Pflanzen und Tiere nicht ohne die Zustimmung des Patentinhabers zur Züchtung eingesetzt werden. Auch erstrecken sich Patente oft auch auf die Verwendung der Ernte zur Lebensmittelproduktion. Nur durch die Erteilung von patenten können so eine Handvoll von Konzernen immer mehr die Lebensmittelversorgung kontrollieren und auch entscheiden was die Menschen essen dürfen.

Die Konzerne können darüber entscheiden, was wir essen, was Landwirte produzieren, was der Lebensmittelhandel anbietet und wie viel wir schließlich alle dafür bezahlen müssen.