Muss die Kunst am Potsdamer Platz bald schweigen?

Am 17. Februar 2021 fand die 16. Mahnwache “im Namen der Kunst” auf dem Potsdamer Platz statt. Die Mahnwache soll auf die Situation der Künstler und Kreativen in der Coronazeit aufmerksam machen. Präsentiert wurden nicht nur Bilder der Coronazeit von Angelika Gigauri, welche sich aus unterschiedlichen Perspektiven kreativ und kritisch mit der Coronazeit auseinandersetzen.

Die Initiatorin Kunsthistorikerin Dr. Carola Muysers (u.a. “Bees & Butterflies. Agentur für kreative Unternehmen“) präsentierte die neuesten Zahlen und Fakten zur aktuellen Situation. So hätten 29% der Musiker den Beruf wechseln müssen und würden 46% der Musiker finanzielle Unterstützung benötigen.

Als Gast präsentierte auf den Potsdamer Platz der Jazzmusiker Werner Lang sein Können. Er selbst kommt zwar relativ gut durch die Krise jedoch wisse er von genug Musikerkollegen, dass es sie weit härter getroffen hat. Diese seien nun auf Grundsicherung angewiesen und stünden vor massiven wirtschaftlichen Problemen. Was fehle sei ein Ausgleich für Musiker und andere Künstler die in Existenznot durch die Maßnahmen gekommen sind. Und Grundsicherung sei für freischaffende Künstler das falsche Konzept der Unterstützung und Hilfe.

Da Musik sein Leben sei träfe Werner Lang das Verbot von Live Musik außerhalb von Kundgebungen sehr hart, ihm fehle der Kontakt zu den Menschen und der Applaus des Publikums. Auch könne er aktuell keinen Musikunterricht geben und so die Menschen in seiner Kunst unterrichten und fördern. Auch seien Konzerte und Live Musik immer auch ein Ausgleich und eine Inspiration für ihn.

Die bildende Künstlerin und Tanzpädagogin Heike Franziska Bartsch, welche die Initiative “Kreative zeigen Gesicht” initierte, rief dazu auf das Leben sich trotz allen Schwierigkeiten nicht nehmen zu lassen. Und Kunst ist das Leben. Die Menschen sollen die gesetzten Grenzen austesten. Als kritisch sieht sie, dass den Menschen von der Politik alles genommen wird. Und die Menschen nichts mehr hätten um sich selbst zu verwirklichen und ihnen jeder Freiraum genommen ist. In einer von ihr erdachten Choreographie fing sie erst an allein zu tanzen und andere Teilnehmer tanzten später mit nachdem auf vorher Abstand blieben. Eine Tänzerin lud andere Passanten ein mitzutanzen. Und als ein kleiner Junge mittanzen wollte wurde die Musik erneut angemacht und der Tanz ging weiter.

Kunsthistorikerin Dr. Carola Muysers kritisierte das es nur noch Verbote geben würde, jedoch keine Regeln. Sie rief die Künstler und kreativen zu mehr Unterstützung auf. Denn heute gab es eine klare Ansage der Versammlungsbehörde, wenn in Zukunft unter 25 Teilnehmer wären, dann müsse leider Mikrofon und Lautsprecher aus bleiben und die Kunst am Potsdamer Platz leise sein oder gar verstummen. Und wer meint bis zum Frühjahr warten zu können, den mahne sie zu bedenken in welcher Situation man wäre und das die Situation kein Warten erlaubt. Sie erinnerte auch daran das Künstler wie Landwirte und Einzelhändler zum Mittelstand gehören und sich gegenseitig unterstützen sollten. Und die Versammlungsbehörde hat hier leider nur wenig Spielraum, denn zulässig ist nur die Beschallung die notwendig ist um die eigenen Teilnehmer zu erreichen.

Die Mahnwache “Im Namen der Kunst” ist jeden Mittwoch zwischen 12 bis 15 Uhr auf dem Potsdamer Platz.

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Kommentar

Es wäre schade, wenn die Kunst am Potsdamer Platz schweigen würde. Sicher wird Dr. Carola Muysers oft von ihren Kollegen und Unterstützern gesagt wie gut sie es alle finden, doch leider könne man nicht dabei sein. Werte Künstler und Kreative persönlich glaube ich, dass es wirtschaftlich nicht allen von euch schlecht geht, doch was ist mit den Auftrittsmöglichkeiten die euch genommen wurden? Am Potsdamer Platz habt ihr doch eine Bühne für eure Kunst, nur wieso nutzt ihr diese nicht? Die Bühne mag nicht perfekt sein und das Pflaster hart – nur ist eine schlechte Bühne nicht besser als überhaupt keine Bühne? Und vermisst ihr es wirklich nicht eure Kunst den Menschen zu präsentieren?