Recht auf Menschenwürde für alle

In der Nacht zum 6. Februar kam es in der Rummelsburger Bucht zur Räumung des Obdachlosencamps. Begründet wurde dies durch Kevin Hönicke (SPD) mit dem Kälteeinbruch. Die Räumung geschah nach Angaben der Betroffenen Menschen ohne Vorwarnung und in einen überfallartigen Stil durch Karuna und die Polizei. Während der Räumung und der folgenden Stunden kam es unter den Augen von Hönicke und der Polizei zu Zerstörungen an Besitz und Eigentum der Menschen. Alle Zuständigen versuchten die Verantwortung aufeinander abzuwälzen und sich rein zu waschen.


Heute am 10. Februar fand eine Protestveranstaltung der betroffenen Menschen, der Berliner Kältehilfe, Obdachlosenhilfe und den Helfern und Unterstützern vor dem Roten Rathaus statt. Stunden vor der Räumung gab es Gespräche zwischen Sozialarbeitern und dem Bezirksamt, die Räumung sei dabei nicht angekündigt worden. Während der Räumung selbst waren jedoch u.a. Buse der BVG, Polizegroßaufgebot, das THW und anderes Organisationen eingebunden. Die im Camp wohnenden Menschen seier erst informiert worden, als die Räumung mitten in der Nacht erfolgte. Menschen die in der Nacht nicht im Camp waren erfuhren sogar erst am nächsten Tag, dass sie ihr Zuhause verloren haben. Sie erfuhren es aus den Medien und sie erfuhren es als zurück in ihr zu Hause wollten und dies durch den Sicherheitsdienst und der Polizei verweigert wurde. Sie erfuhren erst vom Verlust ihres Zuhauses als Ordnungsamt und Polizei zuschauten wie der Eigentümer des Geländes versuchte vollendete Tatsachen zu schaffen.


50 Menschen seien geholfen worden, doch 100 Menschen (andere sagen 50) wären nun auf der Straße und hätten kein Zuhause mehr. Die Menschen wüssten nun nicht wohin.

Erfahrungsberichte von Helfern und Betroffenen

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trotz Zusagen des Bezirksamtes wurdes dies was ein Zuhause war kurz nach der Räumung zerstört

Für die Menschen die im Camp bis zur Räumung lebten sei dies ihr Zuhause gewesen. Es war der Ort an dem sie sich sicher fühlten. Helfer und Umfeld berichteten von den Sorgen und Bedürfnissen der Menschen im Camp und den Obdachlosen. Diese würden u.a. bedingungslose medizinische Hilfe und Unterstützung benötigen. Denn oft hätten diese keine Ausweise oder Krankenversicherung. Die Menschen selbst würden sich aus guten Gründen gegen Notunterkünfte entscheiden und angebotene Hilfsleistungen ablehnen. Zu oft würden sie wie Schwerverbrecher behandelt werden. Die Notunterkünfte selbst ständen oft nur über Nacht zur Verfügung, wie der Volksbote aus an Gespräch mit einem Obdachlosen erfuhr. Am nächsten Morgen müssten die Menschen bis zum Abend zurück auf die Straße. Diese Art der Unterbringung wird schon seit Jahrzehnten von den Menschen und ihren Unterstützern kritisiert, denn wirklich helfen würde man den Menschen damit nicht.

Im Sommer gab es konkrete Angebote die Situation der Campbewohner zu verbessern und auch die hygienischen Zustände zu verbessern. Diese Angebote wurden vom Bezirksamt Lichtenberg rigoros unterbunden. Das Bezirksamt soll dies damit begründet haben, dass der Platz nicht attraktiver werden soll. Unterbunden worden seien so u.a. die Errichtung von dringend notwendigen Sanitäranlagen für die Menschen im Camp.

Als zynisch und beleidigend sehen die Menschen nicht nur die Räumung sondern auch den Umgang mit den Menschen selbst. Würden diese in Pensionen, Sammelunterkünften und ähnlichen Einrichtungen dauerhaft unterkommen, dann müssten teilweise in 4 Bettzimmern leben die zu 900 bis 1000 Euro je Monat und Person abgerechnet werden (Anmerkung: Zimmergröße sind dann ca. 12 bis 15m² – bei 2 Personen auch mal 8m²). Oft geht es nicht um Hilfe für Menschen und deren Bedürfnisse sondern nur um Geschäfte und Profit in denen die Hilfesuchenden nur der Gewinnoptimierung dienen.

Ziel von Hilfe solle es jedoch nicht sein die Menschen zu verändern und die Taschen der Profiteure des Leids zu füllen. Ziel von Hilfe muss es sein den Menschen zu ermöglich ihr Leben selbst bestimmt zu führen. Lautstark riefen die Menschen nach einer “Stadt von unten” in der jeder seinen Platz haben solle und selbst bestimmt entscheiden kann ob er in einer Villa, einer Mietswohnung, einem Zelt oder Wohnwagen leben will. Jedes jahrelang leerstehende Haus sei zynisch und eine Verhöhnung der obdachlosen Menschen, wenn diese nur aus Profitinteresse und als Spekulationsobjekt leer stehen würden. Die “Häuser denen die dort wohnen” war laut stark zu vernehmen.

persönliche Worte

Die Zustände in Obdachlosenunterkünften, Pensionen, Notunterkünften usw sind nicht neu und werden seit Jahrzehnten kritisert. Und das sich mittlerweile eine Sozialindustrie gebildet hat in der es nur noch um Profite geht ist auch nicht neu. Mal ist es das Geschäft mit den Obdachlosen, mal das Geschäft mit den Alg2ern und anderen sozialschwachen und seit 2015 war und ist es massiv das aktuell zusammenbrechende Geschäft mit den Flüchtlingen. Und zu oft würden die Hilfebdürftigen fallen gelassen, wenn andere Hilfebdürftige mehr Profit versprechen. So wurden seit 2015 mehrfach Wohnungslose aus ihren langjährigen Unterkünften auf die Straße gesetzt, weil mit Flüchtlingen der große Profit winkte. Und Karuna wird von den Betroffenen und Unterstützer oft als PR-Maschinerie bezeichnet denen er mehr um die Vermarktung von Leid und Elend geht, als um Hilfe und Unterstützung für die Menschen. Zu oft würde Karuna viel ankündigen und versprechen und sobald die Medien weg sind ist auch Karuna verschwunden und von der versprochenen Hilfe nichts zu sehen.

Medienwirksam wurden ca. 50 Menschen das Camps in ein Hostel geräumt wo sie Einzelzimmer haben. Besondern erwähnenswert fanden manche Journalisten die Fernseher und wie gute diese Menschen es nun hätten. Das diese gerade ihr Zuhause verloren haben spielte keine Rolle. Hönicke und Breitenbach wurden als selbstlose Wohltäter hingestellt und jede Kritik als Querulantentum und zynisch bezeichnet. Eine ausführliche Presseanfrage zu Kosten und Unterkunftsbedingungen wurde jedoch bis heute durch die Senatsverwaltung für Integration,
Arbeit und Soziales nicht beantwortet. Statt dessen schweigt die Behörde der Senatorin Breitenbach bis heute und scheint nur zu ausgewählten Journalisten reden zu wollen.

Zu oft wirken die Hilfsangebote so, als ob es nur darum geht die Menschen im Hilfesystem zu halten – denn nur so verdient man mit ihnen Geld. Und sollten die Förderrichtlinien auslaufen für den Einzelnen, dann wird er zum nächsten Projekt weiter gereicht. Die Unterkünfte und Projekte selbst werden eher selten kontrolliert und fast ausnahmslos nur mit Voranmeldung. Bei solchen Terminen wird dann für eine ansprechende Kulisse gesorgt bei der alles vorzeigbar ist.

Ich habe kein Problem damit wenn Obdachlosen und sozialschwachen Menschen geholfen wird. Hilfsangebote sind wichtig, jedoch sollte Hilfe nicht nur ein Geschäft sein sondern das Ziel nicht der Profit sondern die Unterstützung zu einen selbst bestimmten Leben. Warum die Menschen vom Camp tatsächlich geräumt und deren zu Hause zerstört wurden kann ich nur vermuten, zu undurchsichtig sind die Konfliktlinien und Interessen.

Ein Bauantrag für das Gelände wurde bis heute nicht gestellt. Jedoch erscheint der vorgegebene Grund der Rettung vor dem dramatischen Kältetod oder einem Feuerinferno doch etwas zu sehr konstruiert, denn nicht wenige der Betroffenen leben seit mehren Monaten oder gar Jahren im Camp. Und ein Bezirksamt und Organisationen wussten erst in letzter Minute, dass es zu einer Räumung kommen würde wirkt etwas seltsam, wenn den Aufwand bei der Räumung bedenkt und das ausgewählte Medienvertreter anscheinend im Vorfeld informiert wurden um passende Bilder zu bekommen. Hilfe gegen den Willen der Menschen und in einer Hauruckaktion und durch Zerstörung ihres Heims, ist eben keine Hilfe sondern einfach nur Menschenverachten. Es ist eine komplette Missachtung der Menschenwürde und des Selbstbestimmungsrechtes Menschen. Und fragen muss sich der Volksbote ob nicht mancher auf Kosten der betroffenen Menschen sich profilieren und inszenieren will. Und andere auf Kosten der Obdachlosen ganz andere Interessen vertreten als sie vorgeben.

Und eine Bitte des Volksboten an die Versammlungsleitung und Ordner (wenigstens diesmal erkennbar) – eure Aufgabe ist es sich um eure Teilnehmer zu kümmern und auf diese einzuwirken damit sich benehmen. Und die Aufgabe eines Redners ist es das Anliegen vorzutragen und nicht das Anliegen völlig zu ignorieren und seine persönliche Abneigung gegen einen Journalisten mitzuteilen und Teilnehmer aufzustacheln. Nur so als Tip, wenn Versammlungsteilnehmer und/oder Redner meinen sich auf unangemessene Art und Weise profilieren zu wollen – dann dürfen und/oder sollten diese auch von Versammlung ausgeschlossen werden. Die Polizei war heute weit entgegenkommender als notwendig.

Und ein klares Wort an einige Personen – das Anliegen der Obdachlosen missbrauchen zu wollen um sich als Antifaschisten zu inszenieren ist abstoßend. Es war keine antifaschistische Kundgebung, es war eine Kundgebung von und für die Menschen die von Obdachlosigkeit betroffen sind. Es ging um das Anliegen der Menschen aus der Rummelsburger Bucht. Was ihr abgezogen habt war einfach nur zynisch und menschenverachtend. Glaubt ihr ernsthaft ich würde nur für eure Klischees in der Kälte stehen? Glaubt ihr ernsthaft mich würde euer Gesülze beeindrucken oder gar interessieren?