Bundeskanzleramt muss weg

Deine Botschaft soll die Menschen erreichen? Dann meide diesen Ort - denn der Fluch der Bedeutung lastet auf ihm

Am Mittwochabend hatte der Volksbote das “Vergnügen” zwei Mahnwachen am Bundeskanzleramt zu beobachten. Die ihn seiner Abneigung gegen diesen Ort als regelmäßigen Kundgebungsort bestätigten, denn dieser menschenleere Ort bringt die Leute dazu nur für sich selbst da zu sein.

Auf der ersten Mahnwache wurde dem Volksboten ein Redner geboten der fast durchgängig mit gesenkten Kopf vom Blatt ablas. Es jedoch nicht schaffte sich zumindest kurz und präzise zu fassen. Aber er schaffte es den Speicherplatz seines Handys und den Stream zu füllen. Am Ende wirkte es so als, ob nur sein Redeprogramm abspuhlte und mehr nicht.

Ein Stift – ein Stück Pappe – mehr braucht es für eine Botschaft nicht

Einige Tipps – ein Redner sollte zu seinem Publikum vor Ort und nicht zur Kamera sprechen. Und vor allem zu den Menschen blicken, statt ständig mit gesenkten Kopf auf das Redemanuskript und in die Kamera auf den Lautsprecher. Wenn man für die Kamera reden will, dann sollte man ein Stativ und an die Ausleuchtung denken. Ein heller Standort zumindest für den Redner ist ratsam. Und Teilnehmer bzw. Veranstalter sollten auch dafür sorgen, dass der Redner sein Manuskript auch lesen kann und ggf. ihm dieses mit einer Taschenlampe ausleuchten.

Zu empfehlen ist auch durch ein Schild oder Transparent das Anliegen erkennbar zu machen. Als Fotograf liebe ich Schilder und Transparente einfach, da diese mir und den Betrachtern der Fotos verraten worum es geht. Schilder und Transparente müssen nicht einmal professionell sein – ein einfaches Pappschild und Stift reichen für ein Schild. Macht Farbe auf ein Stück Stoff und fertig ist ein Transparent.

Der Volksbote verzichtete mangels Motiven auf Fotos und schlechte Rednerfotos gibt es schon genug, da muss der Volksbote nicht noch eines extra liefern.

Der Medienprofi tritt auf

Bei der zweiten Kundgebung war der Anfang schon besser. Dem Redner merkte man seine Erfahrung und Talent im Umgang mit Medien an. Gelassen ging er mit dem leeren Akku des Lautsprechers um und sprach zuerst zu den Teilnehmern. Ganz gelassen ging er auch mit den Youtubestreamern und den Kameras um. Sprach am Anfang fast nur für diese und später nur noch für diese. Am Ende degradierte er die Menschen nur zu Statisten und Zuschauern seiner Streamingshow. Wer nur zu Kameras und Medien spricht muss sich nicht wundern, wenn die Menschen sich auf den Weg machen. Der Volksbote konnte hören wie der Redner den Streamern über sich und seine Ansichten berichtete. Die Beteiligten spielten sich die Bälle wirklich gut zu – wie ein gutes Team und wie alte Bekannte, was sie wohl auch sind. Wer braucht noch die Menschen, wenn sein Streamingteam hat?

Hier möchte ich nur zwei Tipps geben – zum einen die Technik vorher zu prüfen. Und zum anderen niemals die Menschen vor Ort zu vergessen. Denn was ist man ohne diese Menschen? Einfach nur ein Typ der sich vor das Bundeskanzleramt stellt und in irgendwelche Kameras redet. Und bei dem es am Ende so wirkt als ob die Teilnehmer gelangweilt verschwinden und der Redner sich selbst sehr wichtig nimmt.

Bundeskanzleramt muss weg

Bundeskanzleramt und das gesamte Regierungsviertel haben einen seltsamen Effekt auf regelmäßige Kundgebungen und Demonstrationen die sich wiederholen. Am Ende dienen sie oft nur der eigenen Selbstdarstellung, denn vor dem dunklen Bundeskanzleramt ist man wichtig. Und sie dienen in erster Linie nur der Szenebespaßung die einen dafür auf die Schultern klopft. Nur wirklich etwas erreichen und ändern tut man so wohl nicht, man steht nur einige Jahre vor dem Bundeskanzleramt – denn es werden immer die Menschen vor Ort fehlen. Und im leeren Regierungsviertel wen will man da noch erreichen?

Wer eine regelmäßige Kundgebung oder Demo machen will, dem kann ich nur eines sagen:
BLEIB FERN VOM REGIERUNGSVIERTEL – BLEIBE FERNE VON DIESEM VERFLUCHTEN ORT
DER DICH GLAUBEN MACHT, DU WÄRST WICHTIGER ALS ALLES ANDERE

Wer sich fragt warum oft in Berlin nichts passiert und sich bewegt, dem kann ich die Antwort verraten. Weil zu vielen meinten und oft auch meinen, dass Regierungsviertel wäre in Berlin wichtig. Jedoch ist das Regierungsviertel nichts anderes als ein Büro- und Geschäftsviertel in dem niemand lebt – die Menschen von Berlin findet ihr dort nicht.