Goldnetz – ein Bollwerk gegen Arbeitnehmerrechte?

Protest gegen Ausbeutung und Arbeitgeberunrecht
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Ein sehr sozialer Arbeitgeber mit diesen Einstellungsvoraussetzungen die Ausbeutung von Arbeitnehmern sichern

Am Abend des 15. januar 2021 kam es zu vor dem “Kölnischen Park 1” zu einer Kundgebung gegen einen Arbeitgeber der besonderen Art. Neben sozialen Vorzeigeunternehmen wie “Ärzte ohne Grenzen” und “Oxfam” hat dort auch der Bildungsträger Goldnetz gGmbH ihren Sitz. Die Goldnetz gGmbH gibt sich nach außen als ein Arbeitgeber mit besonderer sozialer Verantwortung – doch wieso protestierten dann heute bei Kälte ca. 25 Menschen mit selbstgemachten Schildern und einen Megaphon gegen die arbeitnehmerfeindliche Stimmung, die dort herrschen soll? Wieso gab es von den Menschen einen Schriftzug mit den Worten “Ausbeutung” direkt vor der Haustür der Goldnetz gGmbH?

Eine ehemalige Mitarbeiterin die dort zwei Jahre tätig war, erzählt von den Zuständen die dort herrschen sollen. Als sie und ihre Kolleginnen sich für die Tarifkampagne zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Rahmen der Ver.di-Kampagne „Für die gute Sache! Aber zu welchem Preis?“ einsetzten, fielen sie bei der Geschäftsführung in Ungnade. Die Geschäftsführung soll ihnen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht haben. Als dies nicht half, drohte man ihr an, den befristeten Arbeitsvertrag in einem Beratungsprojekt nicht mehr zu verlängern.

Wie das Neue Deutschland am 15. Januar 2021 schrieb, wird auch von der Geschäftsführung dieses Unternehmens die Gründung eines Betriebsrates in übelster Art und Weise von der Geschäftsführung behindert.

Sara Kessler ist 35 Jahre alt. Sie arbeitete seit März 2018 bei Goldnetz im Projekt »Mobile Bildungsberatung für geflüchtete Frauen*«. Anfang 2019 hatte sie zusammen mit weiteren Beschäftigten ein Gespräch mit einem Mitglied der Geschäftsführung. Anlass war die Kampagne »Für die gute Sache! Aber zu welchem Preis?« der Gewerkschaft Verdi. Diese will für feste und freie Mitarbeitende in der Bildungsberatung und der Politischen Bildung Tarifverträge, Entfristungen und mehr Transparenz erreichen. Die Beschäftigten baten die Geschäftsführung, sich mit dem zuständigen Gewerkschaftssekretär dazu in Verbindung zu setzen. Wenn die drei Personen sich weiterhin in der Kampagne engagierten, würden ihre Verträge nicht verlängert, habe kurz darauf die Personalleitung in der Teamsitzung von der Geschäftsführung ausgerichtet, sagt Kessler. Außerdem hieß es, die Personalleitung solle Sara Kessler persönlich stoppen. Zu diesem Zeitpunkt hatte diese mit weiteren Mitarbeiter*innen bereits angefangen, sich zu organisieren: »Unsere Priorität lag zu dem Zeitpunkt auf der Gründung eines Betriebsrates«, sagt Kessler.

Wie die Initiative “Berliner gegen Arbeitgeberunrecht” berichtet ist die Goldnetz gGmbH dicht eingebunden im Netz der Filzes der Berliner Sozialstaatsindustrie in der man einander kennt und alle für einander wie in einer großen und sozialen Familie da sind. Da ist es eben keine Überraschung, dass “ausgerechnet in den Landeseinrichtungen -oder wie in diesem Fall- eng verbundenen Unternehmen, Tarifflucht und Prekarisierung, bzw. die Zementierung von Niedriglohnbereichen vorangetrieben wird.”. Denn in einer Familie wäscht eben eine Hand die andere und man hält die Hand schützend übereinander.

Aber auch im Quartiersmanagement ist Goldnetz aktiv, dort interessanterweise mit der Berliner Groth Gruppe. So entsteht im Süden Berlins das Quartier „Neulichterfelde“, wo Goldnetz als Quartiersmanager auftreten möchte, mit „Bündelung der Ressourcen von Politik und Verwaltung“ wirbt und Projekte wie z.B. „Begleitservice, Großelternservice“ anbieten möchte. Auch vom Job-Center oder der Senatsverwaltung gefördert?

Für uns ist es immer wieder verblüffend, das ausgerechnet in den Landeseinrichtungen -oder wie in diesem Fall- eng verbundenen Unternehmen, Tarifflucht und Prekarisierung, bzw. die Zementierung von Niedriglohnbereichen vorangetrieben wird.

Die Verantwortung hierfür tragen nicht nur Unternehmen wie Goldnetz, sondern auch der rot-rot-grüne Senat!

Die Betroffenen Kolleginnen von Goldnetz hatten sich auch an die Senatorin Elke Breitenbach gewandt, und sie um Unterstützung ihres gewerkschaftlichen Anliegens gebeten. Leider erhielten sie keine Antwort. (Anmerkung des Volksboten – eine Antwort wurde nicht ernsthaft erwartet, oder?!)

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“Goldnetz stinkt” oder “Goldnetz ist zum kotzen” sind die diplomatischsten Übersetzungen dieses Schildes

Für den Volksboten hören und lesen sich die Schilderungen zur Goldnetz gGmbH wie die übelsten Ausbeutermethoden im Niedriglohnbereich. Von der Verhinderung der Wahrnehmung von Arbeitnehmerrechten bis zur permanenten Befristung von Arbeitsverträgen um leicht unliebsame Arbeitnehmer loszuwerden, scheint die Geschäftsführung der Goldnetz gGmbH das ganze Reportoire zu beherrschen. Die Goldnetz gGmbH ist nur einer von mehreren sozialen Trägern, bei denen solche Zustände an der Tagesordnung sein dürften. Die Goldnetz gGmbH ist seit 30 jahren im sozialen Geschäft mit Alg2ern, Flüchtlingen und anderen Menschen, die den Rohstoff der Gelddruckmaschine Sozial- und Flüchtlingsindustrie bilden. Ein Arbeitgeber mit 110 Mitarbeitern an vier Standorten. Die Goldnetz gGmbH mit einer Geschäftsführung, die anscheinend ihrer sozialen Verantwortung entsagt hat, und die finstersten Ausbeutermethoden als Teil ihrer Unternehmenskultur pflegt und erhalten will – und in Berlin damit kein Einzelfall in der Sozialstaatsindustrie wäre.

Im Anschluss an die Kundgebung führten die Teilnehmer eine Aktionsrally durch um die Menschen in der Nachbarschaft über die Methoden dieses “sauberen” Arbeitgebers zu informieren. Als Teilnehmer im Anschluss einige Solidaritätsfotos vor der Haustür machen wollten, reagierte der Sicherheitsdienst des “Kölnischen Parks 1” sehr unwirsch und versuchte dies zu unterbinden, weil er doch mitten auf den Fotos sein könnte nachdem sich dort extra hingestellt hatte. Die Polizei machte jedoch freundlich aber bestimmt klar wo die Zuständigkeit dieses Mitarbeiters endet, und die Menschen konnten auf öffentlichen Straßenland ihre Fotos machen – und der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes verschwand in den Untiefen des “Kölnischen Parks 1” aus denen er gekommen war.

Kommentar

Der Volksbote fand die Kundgebung sehr interessant. Wie zu erwarten war das Medieninteresse auf die Zustände bei der Goldnetz gGmbH doch sehr gering. Nicht unerwartet in einer Stadt bei der Netzwerke und Filz dafür sorgen, dass man einander nicht weh tut und sich gegenseitig schützt. Was präsentiert man den Menschen die sich aktiv für eine bessere Gesellschaft einsetzen wollen als erlaubte Spielwiese? Zur Auswahl stehen Themen die keinen weh tun und an den Zuständen nichts ändern – erwünscht ist Protest nur im “Kampf gegen Rechts” und seit kurzem im “Kampf gegen Coronaleugner”.

Selbstgebastelte Pappschilder und ein etwas ungeschickter Umgang mit dem Megaphon? Das kennt der Volksbote zu gut. Der Volksbote ist gespannt, ob die Menschen der Kundgebung sich am Ende nur auf den erwünschten Spielwiesen der Politik bewegen werden oder mit ihren “Waffen” und ihrer Energie dahin gehen wo es den Mächtigen und den Krisenprofiteuren weh tut.

Ein kleiner Kritikpunkt von mir – was ihr als “Unionbusting” bezeichnet, verstehen nur “Eingeweihte”. Die klassischen Begriffe die jeder versteht nennen sich Ausbeutung und Gewerkschaftsfeindlich. Wenn ihr dort für die Menschen stehen wollt, dann verwendet auch ruhig deren Worte, damit sie verstehen für wen ihr dort steht.