Mahnwache wird zur Bühne der Kunst

Kultur und Kunst als Teil des Lebens

Seit mehreren Wochen macht die Mahnwache im Namen der Kunst im Herzen der Stadt auf die Probleme der Kultur- und Kreativszene während der Coronakrise aufmerksam. Auf der Mahnwache präsentieren die Künstler und Kreativen jeden Mittwoch zwischen 12 und 15 Uhr was ihr Teil und Beitrag zur Gesellschaft ist. Die Künstlerin Caro Kunde nutzte heute die Möglichkeit für eine öffentliche Liedprobe. Andere Künstler stellten ihre Werke aus oder tanzten.

Begonnen hatte die Mahnwache im Oktober am Brandenburger Tor. Wegen der ZDF-Silvestershow musste die Mahnwache am Ende des Jahres umziehen, da die Polizei in den Künstlern ein Sicherheits- und Störrisiko für die Sendung sah. Zugewiesen wurde als Ausweichort vor zwei Wochen deshalb der Potsdamer Platz.

Ordnungsamt zeigt Herz für Künstler

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Die Anmeldung ist nicht ausgedruckt dabei? Da hat das Ordnungsamt hoffentlich ein Herz für Künstler

Einige Unruhe gab es als Marco die Gitarre auspackte und auf ihr spielte. Denn sofort trat das Ordnungsamt auf den Plan und vermutete ein Straßenkonzert, welches kontrolliert und ggf beendet werden müsste. Da niemand die schriftliche Anmeldung der Mahnwache dabei hatte, gab es aus Sicht des Ordnungsamtes einiges zu klären. Denn eine Datei auf einen Handy genügt eben nicht den Regularien des Versammlungsgesetzes. Doch die Ordnungsamtsmitarbeiter zeigten ein Herz für notleidende Künstler und ließen Gnade vor Recht ergehen. Und  telefonierten mit der zuständigen Versammlungsbehörde. Diese gab am Telefon ihre Bestätigung einer angemeldeten Mahnwache für die Kunst und für die Künstler die Information, dass eine Anmeldung immer in ausgedruckter Form dabei sein muss.

Für Straßenmusiker selbst gilt zwar nicht das Versammlungsgesetze jedoch auch dort gibt es einige Regeln zu beachten. Und über diese Regeln sollte sich jeder Straßenmusiker informieren um Probleme mit den Ordnungsamt zu vermeiden.  

Mitarbeiter der Gastrobranche in Existenznot

Im Gespräch erzählte Jule von den Anstrengungen der Gastrobranche, mit individuellen Hygienekonzepten die Coronakrise zu meistern und ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Zugegeben wurde von Jule, dass zwar vereinzelt Gäste und Betreiber sich verantwortungslos benommen hätten – dies jedoch Ausnahmefälle gewesen seien, gegen die auch vorgegangen wurde. Gastronomie, Clubs und Bars seien nie Hotspots bei Corona gewesen. Durch den Lockdown ständen die Mitarbeiter der Branche teilweise vor massiven wirtschaftlichen Problemen, denn zu oft würden diese wegen der niedrigen Löhne von den Trinkgeldern leben müssen. Trinkgelder, die nun natürlich wegfallen und so die schon prekäre Lage der Angestellten verschlimmern, und diese in Existenznot bringen würden.

Statt abwarten endlich Eigenverantwortung übernehmen

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Marco ruf auf Verantwortung zu übernehmen

Marko rief in seiner Rede unweit des Mauermahnmals dazu auf, niemals aufzugeben. Die Menschen sollen daran arbeiten, die Welt so zu gestalten wie sie sein soll. Kritische Worte gab es für die Menschen der Kunst- und Gastroszene die nur abwarten würden und hoffen, dass sich alles von allein regeln würde. Diese müssten endlich aktiv werden und für ihre Interessen einstehen, statt auf die staatlichen Lösungen zu warten – die vielleicht nie kommen.

Im Gespräch mit dem Volksboten verwies Marko auf die Münchner Pilotstudie. In dieser Studie wurde mit einem individuellen Hygienekonzept für die Bayerische Staatsoper das Infektionsriko bei ca. 500 Besuchern geprüft. Dabei wurde von den Besuchern der Staatsoper der Mindestabstand teilweise um 1,50 m sogar unterschritten.

Studien bestätigen minimales Infektionsrisiko

Prof. Dr. Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie der Technischen Universität München (TUM) und verantwortlich für die virologische Diagnostik beim Klinikum rechts der Isar (MRI) stellte abschließend fest: “Grundsätzlich konnten wir während des Testlaufs kein erhöhtes Infektionsrisiko beim Besuch der Bayerischen Staatsoper feststellen. Die Ansteckungsgefahr für die Besucher wird bei Einhaltung der Maßnahmen auf ein Minimum reduziert…”

Eine ähnliche Studie führte man auch im Dortmunder Konzerthaus durch, wie der Deutschlandfunk am 11.01. 2021 berichtete. Diese Studie ergab, trotz vorsichtiger Übertreibung bei den Studienbedingungen, eine kaum messbare Belastung mit Aerosolen und somit eine nur sehr geringe Infektionsgefahr.

Wolfgang Schade legt Wert darauf, dass die Experimente bewusst vorsichtig gestaltet wurden: So ist die Partikel-Größe der Puppen-Aerosole im Vergleich zur Realität wesentlich kleiner; das heißt: Die Aerosole mit einem Durchmesser im Bereich von nur wenigen 100 Nanometern fliegen ungleich weiter als die vom Menschen kommenden. Auch verzichteten die Fraunhofer-Wissenschaftler auf eine gewöhnliche Ausatmung; der kontinuierliche Luftstrom verteilt somit ungleich mehr als Frau oder Mann. Trotz aller vorsichtigen Übertreibungen ist die Aerosol-Verteilung auf direkten Nachbarplätzen – sei es vorn, hinten, rechts oder links – minimal bis minimalst, also kaum messbar mit den ultravioletten Analysemethoden.

Maßnahmen mit Verantwortung

Für die Menschen der Mahnwache sind nicht Maßnahmen und Einschränkungen generell ein Problem und werden auch eingesehen – jedoch sollten diese Maßnahmen endlich mit Bedacht, Bewußtsein und Verantwortungsgefühl von den Politikern getroffen werden. Diese Krise könne die Gesellschaft nur miteinander bewältigen, wenn jeder sich seiner Eigenverantwortung bewußt wird.

Die Mahnwache im Namen der Kunst ist jeden Mittwoch zwischen 12:00 und 15:00 Uhr am Potsdamer Platz.

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