Pneumologe Voshaar – Coronastandardtherapie gefährdet das Leben

Intubation (Symbolbild - Quelle: wikipedia)

Wie der Focus berichtet, kritisiert der Pneumologe (Lungenarzt) Thomas Voshaar erneut die zu frühe Intubation (künstliche Beatmung mittels Beatmungsschlauch) von SARS-COV2-Patienten  (Corona). Diese Standardmaßnahme sei in vielen Fällen gar nicht nötig und sogar kontraproduktiv, so der Chefarzt der Lungenklinik im Krankenhaus Bethanien in Moers zu FOCUS Online. Bereits bei der ersten Coronawelle im Frühjahr kritisierte Thomas Voshaar nicht nur die zu frühe Intubierung als Standardtherapie sondern entwickelte mit seinen Team auch das “Moerser Modell”. Das “Moerser Modell” sieht eine abgestufte Behandlung der erkrankten  Menschen vor. Ziel ist es, den Menschen bei seiner Genesung mit den notwendigen Maßnahmen zu unterstützen, jedoch die durch die Behandlung entstehende Belastung, Gesundheitsschäden und Risiken so gering wie möglich zu halten.

„Fakt ist, dass wir in Deutschland Covid-19-Patienten viel zu früh künstlich beatmen“, sagt Voshaar. Die künstliche Beatmung sei zwar eine wichtige, lebensrettende Maßnahme für Schwerstkranke und Verletzte, die nicht mehr selbstständig atmen können, aber bei vielen Covid-19-Patienten bestünde gar keine Indikation dafür.

Noch schlimmer: Durch das Intubieren steige die Sterblichkeit der Betroffenen extrem an. „50 Prozent der invasiv beatmeten Covid-19-Patienten sterben. Das ist ein klares Zeichen, dass wir in der Medizin einen anderen Weg gehen müssen“, appelliert Voshaar an seine Kollegen.

Voshaar erklärt weiter, dass die künstliche Beatmung eine wichtige und lebensrettende Maßnahme für Schwerstkranke und Verletzte ist, die nicht mehr selbstständig atmen können. Es besteht jedoch bei vielen Covid-19-Patienten, die intubiert werden, dazu keine medizinische Notwendigkeit. Die Intubation würde die Sterblichkeit der betroffenen Menschen stark ansteigen lassen.

50 Prozent der invasiv beatmeten Covid-19-Patienten sterben. Das ist ein klares Zeichen, dass wir in der Medizin einen anderen Weg gehen müssen erklärte Thomas Vashaar in einem Appell an seine Kollegen.

Das durch die Erkrankung bereits vorab geschwächte Lungengewebe würde durch den Druck, die Scherkräfte und die hohe Sauerstoffkonzentration bei einer künstlichen Beatmung zusätzlich belastet und geschädigt werden. Dies würde dazu führen, dass noch mehr Druck und eine noch höhere Sauerstoffkonzentration benötigt werden würde. Das Ergebnis wäre ein Teufelskreis, der dazu führt, daß die Gefahr von Komplikationen exponentiell ansteigt.

Verschärfend kommt hinzu, dass ein Mensch für eine künstliche Beatmung in ein künstliches Koma versetzt werden muss. Denn kein Mensch könne im Wachzustand einen Schlauch oder anderen Fremdkörper in der Luftröhre ertragen.

„Gerade für ältere Menschen birgt die Sedierung über einen längeren Zeitraum große Gefahren“, sagt Voshaar. Muskelschwund, Kreislaufprobleme bis hin zu Verwirrtheit, dem sogenannten Delir, können die Folgen sein.

Unter Sedierung versteht man die Dämpfung oder Ausschaltung von Funktionen des zentralen Nervensystems eines Menschen mit starken Beruhigungsmitteln oder Psychopharamaka. Neben den exponentiell ansteigenden Risiken schwerster bis tödlicher Komplikationen, informiert Thomas Vaashar auch über die höhere Belastung der knappen Ressourcen des Gesundheitssystems. So würden sich Liegezeit und Personalaufwand in den Krankenhäusern oft unnötig verlängern – und so die ohnehin schon knappen Ressourcen (Bettenkapazität, Medizinisches Personal, Geräte usw.) noch zusätzlich verringern.

Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie in der Moerser Lungenklinik bereits 250 Patienten behandelt – nur 15 sind bisher verstorben. „Damit haben wir eine geringe Sterblichkeit, die bei 5,5 Prozent liegt“, rechnet Voshaar vor. Im Vergleich dazu liege die Gesamtsterblichkeit bei Covid-19 in gesamt-deutschen Krankenhäusern über alle Altersgruppen und Schweregrade bei 22 Prozent.

Ganz vermeiden lässt sich eine künstliche Beatmung in einigen Fällen dennoch nicht. „Auch wir haben momentan Fälle, die wir intubieren mussten“, sagt Voshaar. Das ändere aber nichts an seiner Überzeugung, dass eine Behandlung mit früher Intubation, wie sie nach wie vor auf vielen deutschen Intensivstationen praktiziert wird, nicht dem Wohle des Patienten diene: „Für uns im Moerser Krankenhaus gilt der Grundsatz: So spät wie möglich oder am besten gar nicht zu intubieren.“