War es der Sturz oder das Kantholz – das Magnitz-Video

Magnitz kurz nach dem Angriff im Krankenhaus (Screenshot N-TV) - Zeitpunkt des Angriffs (Screenshot Video)

Am Montag wurde der AfD-Bundestagsabgeordneten und Bremer Landeschef Frank Magnitz von drei Personen angegriffen und verletzt. Nun wurde durch die Staatsanwaltschaft und Polizei ein Video des Angriffs veröffentlicht.

Inhalt des Videos

Im Video sieht man drei Männer die Magnitz folgen. Kurz vor dem Angriff beginnen diese sich zu vermummen. Eine Person läuft schnell auf Magnitz zu und schlägt ihn von hinten mit dem Ellenbogen nieder. Magnitz stürzt getroffen zu Boden und liegt dann vor dem Angreifer. Der Angreifer gerät ins Stolpern und versucht mit seinen Armen das Gleichgewicht zu halten. Im Anschluss rennen er und seine Komplizen weg. Ein Schlag oder Tritt gegen Magnitz als er auf dem Boden liegt ist nicht zu sehen. Zu keinen Zeitpunkt befindet sich der Angreifer in einer Position die ihm einen Schlag von vorn auf die Stirn des Opfers ermöglicht – Gegenstände in der Hand des Angreifers oder seiner Komplizen sind nicht zu erkennen. Der Angriff selbst dauert nur wenige Sekunden.

Zweifelhaftes Bekennerschreiben

Auf indymedia wurde kurz dem Angriff ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Bei indymedia handelt es sich um ein Portal der linken Szene in dem jeder Texte, Bekennerschreiben, Artikel usw anonym und unkontrolliert veröffentlichen kann. Die Echtheit des Bekennerschreibens muss jedoch bezweifelt werden. In mindestens einem Fall präsentierte PI-News ein gefälschtes Bekennerschreiben, welches einige Parallelen zum Fall Magnitz aufweist.

Wenige Stunden nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund 2017 war dort auch ein angebliches Bekennerschreiben aus der Antifa-Szene aufgetaucht. Die Meldung wurde damals zuerst von dem rechten Verschwörungsportal PI-News öffentlich gemacht. Die Deutsche Presse-Agentur und tagesschau.de äußerten öffentlich Zweifel, trotzdem verbreitete sich die Nachricht weiter. Später entpuppte sie sich als Fälschung.

Das Bekennerschreiben tauchte zuerst bei PI-News auf – und nur diese konnten anscheinend einen Screenshot anfertigen. Das gefälschte Bekennerschreiben war wie im Fall Magnitz in einem Stil verfasst, der nicht dem Stil der linksextremen Szene entspricht – was noch Zufall sein kann. Doch in beiden Fällen blieb die Bekennerschreiben nur so lange auf indymedia wie es notwendig war um einen Screenshot zu machen. Die Gruppe „Bremer Frühling“ ist vorher nie in Erscheinung getreten. Und Bekennerschreiben werden normalerweise nicht kurz nach Veröffentlichung bei indymedia gelöscht. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung und Kenntnis zur linksextremen Szene halte ich die Echtheit des Bekennerschreibens für mehr als nur fragwürdig.

Sturzverletzung oder Kantholz?

In einer ersten Stellungnahme erklärte die AfD das Magnitz mit einem Kantholz niedergeschlagen wurde. Und die Angreifer auf ihn eingetreten hätten. Zu diesem Tatablauf passen jedoch weder Verletzungen noch das Video. In dem Video wird Magnitz von hinten mit dem Ellenbogen niedergeschlagen – und es kommt zu keinen weiteren Körperkontakt mit zwischen Angreifer und Opfer. In einem Foto kurz nach der Tat präsentiert die AfD ein Foto, welches eine massive Kopfwunde bei Magnitz zeigt. Die Wunde selbst befindet sich auf der Stirn oberhalb des Auges. Für die Position der Wunde müsste ein Angreifer von vorn zuschlagen – was im Video nicht zu sehen ist. Zu sehen ist nur ein Schlag von hinten durch den Magnitz mit den Kopf seitlich nach vorn auf den Boden aufschlägt. Eine so entstandene Verletzung passt zur Position der Wunde.

Video und Analyse der Verletzung

Jürgen Fritz analysiert sehr ausführlich in einem Artikel die Art der Verletzung und ob es eine Sturzverletzung oder ein Kantholz war. Wir können diesen Artikel wegen der enthaltenen Informationen unseren Lesern nur empfehlen.

AfD im Umfragetief und viele Baustellen

Das Platzen der AfD-Version von einem Kantholz und versuchten Totschlag könnte für die AfD nicht ungünstiger kommen. So erlebte die AfD einen Absturz in den Umfragen um 25% und verlor ca. 2.000.000 ihrer Anhänger. Der verdiente Bundestagsabgeordnete Andreas Poggenburg hatte gestern seinen Austritt aus der AfD erklärt und die Gründung einer neuen Partei verkündet. Aus Sicht von Poggenburg ist die AfD keine wirkliche ALternative mehr und hat stark an Glaubwürdigkeit verloren. Poggenburg war seit dem Gründungsjahr 2013 Mitglied der AfD. Mit der Neugründung „Aufbruch der Patrioten“ will er auch bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen antreten. Es ist damit zu rechnen, daß die AdP die AfD entscheidene Stimmen im nationalkonservativen Spektrum kosten wird.