Diskussion zu Brandanschläge auf Bahn

An mehreren Orten in Deutschland kam es zu Brandanschlägen auf Bahnanlagen der Deutschen Bahn. Von den Auswirkungen waren hunderttausende Pendler und der Güterverkehr betroffen. Die Durchführung von mehreren Brandanschlägen an unterschiedlichen Orten zur gleichen Zeit deutet auf ein organisiertes und geplantes Vorgehen der Täter hin. Auf indymedia wurde ein Bekennerschreiben von linksextremistischen Kreisen zu den Brandanschlägen veröffentlicht.

Bekennerschreiben phrasenhaft

Damit scheint der Urheber mit militanten G20-Gegner festzustehen. Deckel zu und Akte schließen scheint nun der übliche Tenor zu sein. Auf indymedia kann jeder Beiträge und Bekennerschreiben veröffentlichen, dies macht es schwer diese zu verifizieren und sind somit mit Vorsicht zu genießen. Es gab schon öfters in der Geschichte Fälle in denen falsche Bekennerschreiben genutzt wurden um den Urheber einer Tat und seine wahren Absichten zu verschleiern. Interessant ist die hohe Phrasenhaftigkeit des Bekennerschreibens und sein doch sehr geringe Aussage zu theoretischen Grundlagen des G20-Protestes und politischen Zielen der Aktion. Auch fehlt ein Bezug zu anderen Brandanschlägen die zum gleichen Zeitpunkt passierten. Das Bekennerschreiben liest sich fast wie die Vorstellung von Geheimdiensten und Gegnern des G20-Protestes zu einem linksextremistischen Bekennerschreiben.

Jubel über Brandanschläge

Die Reaktion im Komentarteil ist schon weit interessanter und aufschlußreicher. Während ein Teil der Komentatoren die Anschläge erwartungsgemäß bejubelt und glorifiziert – meistens im arroganten Stil einer “Scheiß auf Volk – wir sind militant”-Haltung – sind andere Reaktionen schon etwas diferenzierter. Hier wird dann auch die Frage nach dem Sinn solcher Aktion gestellt – denn anders als im Bekennerschreiben behauptet würden solche Anschläge primär die Menschen und nicht die Ausbeuter bzw Kapitalisten treffen.

Kritik an Brandanschlägen und Urheber

Die Folge solcher Brandanschläge wäre somit, daß diese Proteste den G20-Protest kriminalisieren würden und bei den Menschen ein Verständnis und Wunsch nach Repression gegen den G20-Protest erzeugen würden. Der Inhalt des G20-Protestes würde somit in den Hintergrund treten. In der linken Theoriediskussion ist der Ansatz “Millitanz gezielt ohne der Masse zu schaden” mitlerweile Standard. Dieser Ansatz ergab sich u.a. aus Diskussionen zu gescheiterten militanten Konzepten des 20. Jahrhundert – welche zwar Anfangs auch auf Sympathie beim Volk trafen, jedoch von diesen schnell als Bedrohung der eigenen Sicherheit und nicht als Bedrohung des Kapitalismus wahrgenohmen wurden.

Urheber unter falscher Flagge?

Das Bekennerschreiben und seine Urheber ignorieren komplett jegliche Theoriediskusion der letzten 30 Jahre. Auch scheint der Inhalt des G20-Protest für die Urheber keinerlei Rolle zu spielen. Es scheint also mehr um eine Aktion der Aktion gegangen zu sein. Damit könnte man das Thema schließen – wenn es nicht um koordinierte Anschläge mit hoher Organisationsaufwand gehen würde. Denn hier muss man fragen, wenn nicht die militante G20-Gegner dahinter stecken würden – wer könnte es dann sein? Um diese Frage zu beantworten muss man sich eine Frage stellen “wem nützen diese Anschläge?” – Nutznießer wären Gegner des G20-Protestes. Denn würden diese doch mit einer solchen Aktion den G20-Protest leicht kriminalisieren und delegetimieren. In Frage kommen würden somit Kreise die leicht koordnierte und deutschlandweite Aktionen unter falscher Flagge durchführen können. Ein Vorgehen was an die Gladio-Operationen in Italien erinnert, als westliche Geheimdienste dort Terroranschläge in Auftrag gaben bzw diese durch führten – und als schuldigen schnell italienische Anarchisten, Kommunisten usw präsentierten.