Montagsritual in Berlin

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Gestern fand in Berlin die 127. Bärgida statt. Bei Bärgida handelt es sich um ein Bündniss von Bürgern in Berlin, welche gegen die Islamisierung Deutschlands und Europas sind. Aufgerufen wurde zu einer Auftaktkundgebung am Hauptbahnhof und einen Abendspaziergang durch Lichtenberg. Das linke Bündnis NoBaergida rief zu einen Gegenprotest auf

The same procedure as every monday

Bei Bärgida handelt es sich um Bündnis Berliner Patrioten welche gegen die zunehmende Islamisierung protestieren. Das Teilnehmerfeld besteht aus Bürger unterschiedlicher Parteien und Organisationen – von Identitäre Bewegung, AfD, NPD, unorganisierte Bürger bis „Reichsbürgerszene“ ist alles dabei. Die Teilnehmerzahl liegt seit einigen Monaten bei rund 50 Teilnehmer. Und jeden Montag ruft NoBärgida zu einen Gegenprotest auf mit ca. 60-70 Teilnehmern. Man kann schon fast von einem Ritual sprechen – denn für alle Beteiligten ist der Abendverlauf sehr vorhersehbar und routiniert geworden. Eine große Öffentlichkeit und Mobilisierung können weder Bärgida noch NoBärgida erreichen – es wirkt auch nicht als ob dies noch gewünscht wäre. Man scheint lieber unter sich zu sein. Und ob der Bürger sich wirklich angesprochen fühlt wenn jeden Montag von Generalstreik, Volksaufstand im Angesicht von wenig revolutionär wirkenden Teilnehmern gesprochen wird, muss man bezweifeln. Für die linke Szene sind die Rufe nach Volksaufstand und Generalstreik von Mario mitlerweile zu einen Runing Gag geworden. Das Verhältnis zwischen NoBärgida und Bärgida ist eher entspannt als agressiv – vereinzelt grüßen sich die Teilnehmer der beiden Lager unter den wachsamen Auge der Polizei, welche auf strikte Trennung der Lager achtet. Für längere Gespräche zwischen den Kontrahenten ist da nur wenig Raum und werden von der Polizei auch gerne mit fragwürdigen Begründungen wie Provokation, hohe Gefahr für Leib und Leben und ähnlichen unter Androhung von Zwangsmassnahmen unterbunden – vorallem wenn die Gespräche ruhig und freundlich verlaufen ist die Polizei zur Trennung schnell vor Ort.

Treff am Hauptbahnhof

Aufgrund des starken Regens fiel Kundgebung und Gegenkundgebung am Hauptbahnhof aus. Begleitet von einem Polizeiaufgebot ging es für ca. 25 Bärgidianer gleich nach Lichtenberg. Auch die NoBärgidianer konnten dem Regen nur wenig abgewinnen. Ein einsamer Gegendemonstrant hielt noch einige Minuten die Stellung und kapitulierten dann auch vor dem Regen.

Bärgida in Lichtenberg

Auf dem Bahnhofsvorplatz empfing eine Gegenkundgebung von ca. 70 Teilnehmern des linken Spektrums die ankommenden Bärgidianer. Der Kundgebungsraum von Bärgida war von der Polizei in Form eines Kessels aufgebaut, der nur wenig einladend auf den Bürger gewirkt haben dürfte. Eine doch sehr fragwürdige Massnahme der Polizei, da es bei 127 Wochen Bärgida nur sehr selten zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Lagern kommt. Die Aktivitäten der linken Szene beschränken sich normalerweise auf lauten und rein verbalen Gegenprotest. Der Abendspaziergang von Bärgida wurde aufgrund der geringen Teilnehmerzahl in Lichtenberg von unter 40 Teilnehmern abgesagt und Bärgida beschränkte sich auf eine Kundgebung. Das Bild der Kundgebung war bestimmt von einigen Reichsfahnen und Deutschlandfahnen.

Redebeiträge

Rednerin Elke fand sehr deutliche Worte und benannte Merkel als Hauptursache des Terrors in Deutschland. Nach ihren worten stoppt niemand den Terrorismus, da es nicht gewollt ist. Erkennbar wäre dies daran, daß zum G20 Gipfel die Grenzen aus Sicherheitsgründen geschlossen werden, aber sonst weit offen für Terroristen und Kriminelle aus aller Welt sind. Ein Gebot der Stunde sieht Elke in der Gründung von Bürgerwehren und den sofortigen Rausschmiss der Terroristen.

Mario der Stammredner und Mitbegründer von Bärgida hielt eine eher allgemeine Rede. In dieser wurde der isalmische Faschismus als Bedrohung für die Sicherheit der Bürger Europas bezeichnet. Grundlage des islamischen Terrorismus ist die wortwörtliche Auslegung des Korans – vergleichbar der katholischen Kirche im Mittelalter. An die Gegendemonstranten gerichtet fragte er zu Recht, wo die Zivilgesellschaft gegen den Terror ist. In einer weiteren Rede wies Mario daraufhin, daß die Bevölkerung sich Sorgen um ihre Sicherheit und den in Generationen erarbeiteten Wohlstand macht. Mit Begründung auf Artikel20Abs.4 des Grundgesetz rief Mario zu Widerstand und Volksaufstand auf. Was angesichts der zu geringen Teilnehmerzahl für einen Abendspaziergang doch sehr befremdlich und etwas hilflos wirkte. Ob viele Bürger dem Aufruf zu vermehrten Krankschreibungen und Dienst nach Vorschrift ab dem 17. Juni folgen werden?

Dritter Redner des Abends war Graziani – er wies darauf hin, daß Linke an der Seite der Patrioten kämpfen müssten, da beide für die Zukunft kämpfen würden. Doch die Linken würden von der Nazikeule daran gehindert. Warum sich Graziani bei den Linken an 1933 erinnert fühlt und in den Gegendemonstranten die Gesichter der Menschen sah die damals die Juden verfolgten erschloss sich nicht. Nazivergleiche sind zwar ein beliebtes Stilmittel bei Reden wenn man mal Lückenfüller braucht, doch nur selten sinnvoll oder gar verständlich. Zum Abschluß dankte Graziani den Patrioten für ihren Einsatz und rief zur Geschlossenheit auf.

Geschehen des Abends

Die Kundgebung verlief ohne größere Störungen. Für etwas Aufregung sorgte ein alkoholisierte Passant der sich mit einer Bierflasche in der Hand der Rednerin Elke agressiv nährte. Aufgrund eines vermuteten Angriffs griff die anwesende Polizei ein und nahm die Personalien auf. Andere Passanten waren weniger agressiv und verfolgten interessiert an die Redebeiträgen. Vor Ort waren auch Bezirksverordnete der BVV Lichtenberg um sich ein Bild von Bärgida und den Teilnehmern zu machen. Heribert Eisenhardt (AfD) findet es gut und wichtig, daß Bärgida auf das Problem der Islamisierung aufmerksam macht. Kritik äusserte er jedoch daran, daß Bärgida nur wenige Bürger erreicht.

Mit dem „Lied der Deutschen“ endete der Montag wie immer sehr ereignislos und ohne Volksaufstand. Ruhig und geordnet gingen die Teilnehmer von Bärgida, NoBärgida und Passanten zu ihrer Bahn und fuhren nach Hause. Die einen fühlten sich gut, weil auf das aufmerksam machten was sie besorgt und auf der Seele liegt. Die anderen konnten sich als Helden im „Kampf gegen Rechts“ und letztes Aufgebot gegen einen Volksaufsstand fühlen. Die geringe Außenwirkung des Montagsrituals dürfte an der Wahl der Kundgebungsortes liegen – ausser einigen Touristen sind am Washingtonplatz nur wenige Bürger zu erreichen. Und ob man Touristen zu einen Volksaufstand bewegen kann, darf nun wirklich bezweifelt werden.

Resümee des Montagsrituals

Berlin ähnelt nur in der Oberfläche einer Stadt, doch ist Berlin nur eine Ansammlung von Dörfern und Kleinstädten. Dr Berliner als solcher ist sehr kiezbezogen und was einen Kiez weiter oder gar ausserhalb seines Bezirks ist findet nur selten sein Interesse. Dies macht Berlin zu einen sehr unbeliebten Demostandort, da große Demos nur schwer in Berlin zu mobilisieren sind. Ein Problem das NoBärgida und Bärgida gemeinsam haben – die Teilnehmer von Bärgida und NoBärgida sind sehr idealistisch und fast immer friedliche und freundliche Menschen. Diese sollten einmal zusammen ein Bier trinken und sich unterhalten, was für alle doch sehr interessant sein könnte.

Ist Bärgida ein Sammelbecken von Reichbürgern, AfDlern, NPDlern und Identitären wie die linke Szene behauptet? Man könnte so Bärgida bezeichnen, da Redner und Teilnehmer sich aus diesem Umfeld zusammensetzen. Doch eine Gefahr für die Ordnung und Stabilität in Deutschland dürfte von Bärgida nicht ausgehen – zu gering die Teilnehmerzahl mit mittlerweile oft weniger als 50 Teilnehmern. Zu gering die Aussenwirkung mit dem Washingtonplatz und manches mal schreckt das Verhalten einzelner Teilnehmer der Abendspaziergänge den Bürger eher ab als das es ihn erreicht. Gerade bei wenigen Teilnehmern ist die Disziplin eines jeden einzelnen Teilnehmers gefragt. Innerhalb der nationalen und patriotischen Szene Berlins wird Bärgida oft belächelt und für manche Peinlichkeit auch verflucht – doch hat auch Bärgida seine Berechtigung. Und bei 127 Kundgebungen und Abendspaziergängen könen Fehltritte nicht vermieden werden. Bärgida zeigt, daß es möglich ist in Berlin dauerhaft Kundgebungen zu organisieren, wenn auch nur mit geringen Teilnehmerzahlen. Empfohlen sei jedoch einmal den Häuptlingen der Bärgidianer zu überlegen ob es Sinn macht jede Woche zu einen Abendspaziergang aufzurufen, wenn Kundgebungen wegen der zu erwartenden Teilnehmerzahl angemessener wären. Und manchen Redner sei gesagt, daß Volksaufstandsphantasien und Generalstreik nur im Angesichts eines großen Publikums ernst zu nehmen sind.

Wenn Bärgida ein Sammelbecken ist, dann ist dies auch NoBärgida – da auch der Gegenprotest aus Teilnehmern unterschiedlicher linker Parteien und Organisationen besteht. Und auch die Außenwirkung ist ähnlich wie bei Bärgida sehr gering. NoBärgida mag zwar Bärgida nicht blockieren zu können, doch zeigen die NoBärgidianer das Gegenprotest auch friedlich sein kann. Manchmal gibt es Reibungen zwischen Bärgidianern und NoBärgidianern – aber wo gibt es die nicht? Für die Polizei ist das Montasritual mitlerweile Routine und manchmal anscheinend auch  so etwas wie eine Einsatzübung für den Polizeinachwuchs. Kritisch ist zu sehen, daß die Polizei bei der Trennung der Lager oft über das Ziel hinausschießt und gerne mal übertreibt. Die Polizei sollte einmal nachdenken ob Zurückhaltung und im Hintergrund des Geschehens bleiben nicht sinnvoller wäre.

Das Montagsritual am Hauptbahnhof ist manchmal skurill und etwas szenig – aber mit viel Idealismus auf beiden Seiten. Es ermöglicht allen Beteiligten mal einen Blick auf die andere Seite der Absperrung zu werfen und vielleicht etwas zu sehen, was sonst nicht möglich ist.

Impressionen des Tages

Bärgida in Lichtenberg - Redner Mario

Bild 2 von 9

Bärgida in Lichtenberg - Redner Mario

Fotos von volksbote.info

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